Der Weg zum Meister – meine 10.000 Stunden als Entwickler

Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery associated with being a world-class expert — in anything.

Daniel Levitin

Die 10.000 Stunden Regel sollte jedem Entwickler (und auch jedem anderen) ein Begriff sein. Die Regel basiert ganz lose auf den Studien von Anders Ericcson und wurde hauptsächlich durch das Buch „Outliers“ von Malcolm Gladwell bekannt.

Die Regel ist nicht wissenschaftlich belegt sondern ist eher als Richtlinie zu verstehen und besagt, dass jeder der auf seinem Fachgebiet führend sein oder werden möchte, mindestens 10.000 Stunden „Deep bzw. Delibate Practice“ benötigt.

Was bedeutet Deep Practice?

Nehmen wir zum Beispielproduct_owner_rahmen Karl.

Karl ist Entwickler und das seit 10 Jahren. Karl ist aber niemand, der sich intensiv mit seiner Arbeit und seiner Tätigkeit identifiziert, sondern ein 09:00 – 17:00 Entwickler.

Karl ist auch niemand, der sich in seiner Freizeit mit neuen Themen, Programmiersprachen und Problemstellungen auseinandersetzt.

Karl macht seinen Job – gut und zufriedenstellend – aber nicht herausragend.

Man könnte jetzt annehmen, das Karl die 10.000 Stunden schon lange geknackt hat und als Meister seines Faches zählt.

Mal im Kopf überschlagen:

220 (grob Arbeitstage pro Jahr abzgl. Urlaub) * 8 (Stunden pro Tag) * 10 Jahre = 17.600 Stunden

So gerechnet müsste Karl also ein Superstar und ein Held in seinem Metier sein. Das was Karl aber tagtäglich macht ist keine Deliberate Practice sondern sein Tagewerk, und Tagewerk zählt nicht in die 10.000 Stunden Regel.

Was wäre wirkliche Praxis in Karls Job als Entwickler:

  • Auseinandersetzung mit komplexen Problemen, die neue Denkmuster erfordern
  • Neue Programmiersprachen, Konzepte und Ansätze erlernen und meistern
  • komplexe Algorithmen verstehen
  • Pair Programming und Auseinandersetzung mit Kollegen
  • Konzepte lehren und schulen
  • Fokussierung und Konzentration

Was zählt nur in Teilen:

  • Wiederholte und oft gelöste Aufgabenstellungen (sich wiederholende Aufgaben können für Routine sorgen, aber nur wenn Sie bewusst gelöst werden und nicht „automatisch“)

Was zählt gar nicht:

  • Fachfremde Aufgaben (Rechnungsstellung etc.)

Stellen wir die Rechnung also nochmals auf:

220 (grob Arbeitstage pro Jahr abzgl. Urlaub) * 4 (Stunden pro Tag) * 10 Jahre = 8.800 Stunden

Nehmen wir vereinfacht an, Karl verbringt pro Tag 4 Stunden mit echter Praxis für seine Arbeit. An manchen Tagen vielleicht weniger, an manchen Tagen mehr. Im Mittel könnte das stimmen. Das bedeutet, Karl hat bis dato 8.800 Stunden Praxis gesammelt. Im fehlen also noch genau 2.200 Stunden zum Meister.

Da potentiell die Möglichkeit zur Konzentration und Fokussierung abnimmt, je länger man im gleichen Job arbeitet,  wird auch die Praxis, die Karl pro Jahr sammeln kann abnehmen. Das bedeutet, es ist sehr fraglich, ob er jemals den Status eines Meisters erreichen kann (und vielleicht auch will).

Ich stelle die Rechnung mal grob für mich auf. Ich habe im Jahr 2002 angefangen, mich mit Programmiersprachen zu beschäftigen (ungefähr..).

2002 (grob jeden zweiten Tag eine Stunde) – (250 / 2 * 1)
2003 (grob jeden dritten Tag eine Stunde, da ich hier viel gearbeitet habe) – (250 / 3 * 1)
2004 (im Studium jeden Tag ca. eineinhalb Stunden inkl Wochenenden) – (250 * 1.5)
2005 – (im Studium jeden Tag ca. zweieinhalb Stunden inkl Wochenenden)(250 * 2.5)
2006 – (Praxissemester – hier habe ich ein halbes Jahr lang extrem viel gelernt und gearbeitet)
(125 * 6) + (125 * 2.5)
2007 – (Annahme, 3 Stunden Praxis pro Tag + 150 Extrastunden für die Abschlussarbeit) (250 * 3) + 150
2008 – (Studienabschluss und erstes grosses Projekt mit steiler Lernkurve) (125 * 5)  + (125 * 6)
2009 – (extrem viel gearbeitet und gelernt – Annahme 270 Arbeitstage) (270 * 6)
2010 – (einige neue Projekte, viele unterschiedliche Programmiersprachen und Werkzeuge) 270 * 6 + 100
2011 – 280 * 6
2012 – (großes neues Projekt, neues Team, Teamlead und Scrummaster) – 280 * 6
2013 (Selbstständigkeit)- 80 * 10

Die Rechnung ergibt also folgendes:

(250 / 2 * 1) + (250 / 3 * 1) + (250 * 1.5) + (250 * 2.5) + (125 * 6) + (125 * 2.5) + (250 * 3) + 150 + (125 * 5)  + (125 * 6) + (270 * 6) + 270 * 6 + 100 + 280 * 6 + 280 * 6 + 80 * 10 = ~12.000 Stunden Praxis in 10 Jahren.

(Natürlich ist die Rechnung komplett an den Haaren herbeigezogen, aber trotzdem interessant, wenn man mal so grob zusammenrechnet)

Das entspricht in etwa auch den Erfahrungen anderer Menschen, die sich mit dieser Regel befasst haben. Typischerweise braucht man 10 Jahre und ~10.000 Stunden Praxis, um gut in etwas zu werden ( ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich in dem was ich mache ganz OK bin).

Es ist extrem interessant, wenn man sich weiter mit dem Thema Deliberate Practice beschäftigt. Hier sind einige Buchempfehlungen zum Thema:

 

Malcolm Gladwell – Outliers

Robert Greene – Mastery

Doug Lemov – Practice Perfect

Weitere Links:

10.000 Stunden Regel

Was ich so mache um auf meine 10.000 Stunden zu kommen

 

 

 

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